Alle Studierenden der Universität und des Studienkollegs sind zur Wahl aufgerufen.Alle dürfen abstimmen – unabhängig vom Pass!
An unserer Universität, die teilweise aus einem „Kolonialinstitut“ hervorgegangen ist, war und ist studentische Bewegung von internationaler Solidarität motiviert und mit der Friedensbewegung verbunden.
In den 1960er Jahren stellten studentische Aktivistinnen und Aktivisten die Einheit der sozial befreienden Kämpfe her:
Zum Beispiel klärten Studierende über den Vietnamkrieg der USA auf und unterstützten die linke Opposition aus dem Iran oder Griechenland. Sie prangerten dabei die Beteiligung der BRD (Wirtschaft, Medien, Politik…) an weltweitem Unrecht an – und halfen zugleich in Westdeutschland stationierten US-Soldaten den Kriegsdienst zu verweigern.
In Seminaren und Vorlesungen, Tag und Nacht, auf dem Campus und in Kneipen wurde hinterfragt, diskutiert, kreiert und Unkonventionelles praktiziert. Es wurden „Kritische Unis“ geschaffen. Die Lehre und das Studium sollten Sinn ergeben: für ein besseres Leben für alle, für Gerechtigkeit, für Verständigung, für Frieden.
Die Demokratie wurde lebendig gemacht. Als „außerparlamentarische Opposition“ überschritten Studierende und Gewerkschaften gemeinsam die engen Pfade der Repräsentation und erweiterten die Mitbestimmung in Bildungseinrichtungen und Betrieben. Die Hochschulen mussten sozial geöffnet werden, damit die große Mehrheit – unbedrängt von Not – selbständig, kritisch und solidarisch lernen und die Gesellschaft gestalten würde.
Ergebnisse dieser Kämpfe in West-Deutschland waren unter anderem die Entwicklung von Friedensforschung und internationaler Verantwortung in den Wissenschaften, antifaschistische Aufklärung in der ganzen Gesellschaft, eine tiefgehende kulturelle Öffnung (von Kostüm zum Minirock, vom Anzug zum Parka, vom „Sie“ zum „Du“, von der Kleinfamilie zur Wohngemeinschaft…), die Abschaffung von Studiengebühren, eine staatliche Studienförderung als Vollzuschuss, die 47 Prozent der Studierenden erhielten (heute erhalten nur noch 12-15 Prozent das „BAföG“ – als Darlehen!).
Ein wesentliches Ergebnis war die Demokratisierung der Universitäten mit weitreichenden Möglichkeiten der studentischen Interessenvertretung und Selbstorganisierung – mit Fachschaftsräten, AStA und eben auch dem Studierendenparlament.
Seit den 1990er Jahren stehen diese Errungenschaften unter dem Druck rechter Hegemonie.
Wir brauchen alle dringend eine Erneuerung kritischer engagierter studentische Lebensweise und Politik. Vielerorts in der Welt geschieht dies bereits – von Indonesien bis in die USA sind Studierende der aktivste Teil der Gesellschaft für eine progressive Veränderung – von dem antifaschistischen Kampf um Demokratie über das Engagement für Gebührenfreiheit bis zur Solidarität mit Palästina.
Wir haben hier eine Studierendenarmut von ca. 70 Prozent. Die Universitäten sind stark unterfinanziert. Fächer wie Völkerrecht, Arbeitsrecht, Kriminologie, die Arbeitsstelle „Post-Kolonial“ oder auch nur ausreichend Deutschkurse werden zugunsten marktkonformer Wissenschaft minimiert. Die Konfrontation zwischen “den westlichen Werten“ und „dem Rest“ findet Eingang in Forschung und Lehre, wenn Wissenschaftskooperationen unterbrochen oder geopolitischen Interessen untergeordnet werden. Die Freiheit der Wissenschaft und die demokratische Offenheit der Universitäten ist längst nicht nur in Diktaturen in Frage gestellt: die neue Bundesregierung sieht die Einordnung der Unis in eine gesamtgesellschaftliche Kriegsertüchtigung vor, für die plötzlich Milliarden Euro fließen könnten.
Die Universität muss ihre globale soziale Verantwortung für die Überwindung von Profitinteressen, Machtpolitik und Gewalt neu ernstnehmen und gegen Spardiktate und Militarisierungspläne durchsetzen. Die Studierendenschaft ist der wesentliche Beweger dafür!
Die Bedeutung unseres Engagements für soziale Entwicklung, für die Überwindung der Klimakrise, die Beseitigung von Hunger, Elend und Mangel, für Deeskalation und Abrüstung und für eine aufgeklärte, geschichtsbewusste Kultur wächst. Die Ambition, daran mitzuwirken, muss für das nächste Studierendenparlament, den AStA und die gesamte Studierendenschaft leitend sein.
Diese Wahl ist entscheidend dafür!
Was ist das Studierendenparlament (StuPa)?
Das Studierendenparlament ist das wesentliche Organ der Interessenvertretung von Studierenden für Studierende. Dieses Parlament wählt den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), diskutiert und beschließt die politischen Positionen und entscheidet über Kampagnen der Studierendenschaft. Es verfügt dafür auch über den Haushalt der studentischen Interessenvertretung.
Wie informiert man sich?
Es gibt Flugblätter und programmatische Erklärungen sowie Wahlzeitungen und einen Wahl-o-Mat.
Gut ist, mit aktiven Studierenden zu sprechen, die Ihr an Infotischen auf dem Campus währen der Wahl jeden Tag sehen könnt. Beim sorgfältigen Lesen und in offener Diskussion zeigt sich schnell, wer was ernst meint!
Wann und wo kann man wählen?
Die Wahl ist in zwei Wahlzeiten gegliedert. Die Möglichkeit der Briefwahl ist beendet. Man kann nun vom 12. Bis zum 16. Mai jeweils zwischen 9:30 und 18 Uhr an Urnen direkt seine Stimme abgeben. Geht dafür bitte an die Urnen in den zentralen Foyers der Universitätsgebäude. Ihr braucht nur Euren Studierendenausweis mitzubringen!
Informationen des Studierendenparlaments: https://stupawahl-uni-hamburg.de/
