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Einladung zur Diskussionsveranstaltung

Überall auf der Welt kämpfen die Bevölkerungen um ihre Würde und Souveränität. In Brasilien zeigt sich aktuell besonders deutlich, wie koloniale und neoliberale Ausplünderung mit Militär, Gewalt, der Bekämpfung der Demokratie und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen einhergeht. Und wie mutig Menschen sich für ihre Rechte einsetzen. Ob der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro sich bei der nächsten Wahl behaupten kann, ist sehr umkämpft.

Die reichen Staaten tun alles dafür, die ärmeren in Unterentwicklung zu halten. Deutschland hat schon seit dem 19. Jahrhundert ein starkes Interesse an den Rohstoffen und Märkten Brasiliens. Damals exportierte der deutsche Krupp-Konzern Kanonen im „Tausch“ gegen Kaffee für das Deutsche Reich. Später ging es um billige Autos gegen billiges Fleisch. Mercedes und VW do Brasil profitierten besonders von der „Stabilität“ während der Militärdiktatur (1964-85). Diese ungleiche „Arbeitsteilung“ hält sich bis heute: Deutsche Unternehmen wie Thyssenkrupp und Siemens liefern den brasilianischen Grundbesitzern teure Maschinen und erhalten dafür billige Rohstoffe. So wurde seit jeher Brasiliens Wirtschaft und Bevölkerung in Abhängigkeit gebracht, was sehr viele verarmte und oft indigenen Menschen dazu zwingt, wie Sklaven zu arbeiten. Auch Natur, Bildungs- und Kulturgüter werden brutal zerstört.

Doch der inhumane Raubbau ist nicht haltbar und nicht unwidersprochen. In Brasilien wie in ganz Lateinamerika ringen die Unterdrückten um ihre Menschenrechte, die Linken um eine progressive Alternative zum Neoliberalismus. Auch hierzulande engagieren sich zahlreiche NGOs solidarisch für Aufklärung und gerechte Wirtschaftsbeziehungen. So ist es z.B. einem breiten Bündnis von Aktiven über Grenzen hinweg gelungen, das Freihandelsabkommen Mercosur-EU vorerst zu stoppen.

Wie stark bestimmen die kolonialen Beziehungen bis heute die Entwicklung in Brasilien? Wer sind die Nutznießer? Wofür kämpfen die Aktivisten vor Ort und hier? Welche Fortschritte konnten erreicht werden und wir können wir die Kämpfe stärker verbinden? Welche Verantwortungen tragen wir? Gibt es Hoffnung auf einen politischen Wandel bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl 2022 und darüber hinaus?


Diese und weitere Fragen wollen wir diskutieren mit:

Christian Russau, Autor, Aktivist und Kritischer Aktionär

Camila de Abreu, Aktivistin, Politikdialog Brasilien-Deutschland beim FDCL (Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika)

Mit Musik von Eduardo Macedo


Mittwoch, den 23. Juni um 18.30 Uhr


Ort: Anna-Siemsen-Hörsaal, Universität Hamburg, Von-Melle-Park 8, 20146 Hamburg

Livestream: RiS-YouTube https://youtu.be/KuNfRcQAOjk

(Livestream per YouTube mit der Möglichkeit schriftliche Fragen zu stellen)

Eine Veranstaltung des Referats für Internationale Studierende (RIS) im AStA der Uni Hamburg und der AG Antifaschismus der Uni Hamburg.

Es gelten die üblichen Hygienebestimmungen.


Links:

Christian Russau: Abstauben in Brasilien. Deutsche Konzerne im Zwielicht, 2016. https://www.vsa-verlag.de/nc/detail/artikel/abstauben-in-brasilien/

Christian Russau: Extraktivismus und Territorialkonflikte in Brasilien. Deutsch-brasilianische Beziehungen auf dem Prüfstand, 2020. https://www.rosalux.de/profil/es_detail/5V2E2TXHN7/christian-russau?cHash=96f342a42aeb08d4148875d7ebc71520

Anja Krüger: NGOs fordern kompletten Stopp, taz, 21.05.2021. https://taz.de/Umstrittenes-Mercosurabkommen-der-EU/!5767767/

Camila de Abreu und Christian Russau: Im Fadenkreuz von Bolsonaro, Gegen Strömung, 28.02.2020. https://www.gegenstroemung.org/web/blog/im-fadenkreuz-von-bolsonaro/