Diese Prüfsteine sind eine Parteinahme für die Interessen der „internationalen Studierenden“, sie sind aber keine Parteinahme für bestimmte Listen. Wir wollen Euch vielmehr die Möglichkeit geben, Euch selbst ein Bild zu machen. Wir haben die Auffassung, dass die Wahl ein sehr guter Moment ist, die bestehenden Diskriminierungen, bürokratische Hürden und die Bereitschaft zu Frieden und Antifaschismus zu thematisieren. Wir wollen Euch ermutigen, über die Probleme der internationale Kommilitom*innen und der Welt zu sprechen. Wir haben Platz für alle Listen und ihre Antworten. 

3a. In der Regel müssen die internationale Studierende innerhalb von zehn Jahren ihr Studium abgeschlossen haben. Danach hat man 18 Monate Zeit, einen qualifizierten, gut bezahlten Job zu finden. Wer es nicht schafft, dem oder der droht die Abschiebung.

  • Soll Deutschland diese Abschiebungspraxis weiterführen?

AL – Antiautoritäre Linke

  • So gut wie alle Abschiebungen sind weder moralisch vertretbar noch in irgendeiner denkbaren Weise sinnvoll.

Campus UKE

  • Ja, siehe auch 2c). Nach einem erfolgreichen Abschluss des Studiums ist eine Zeit von 18 Monaten zum Auffinden einer Arbeitsstelle durchaus zumutbar.

CampusGrün

  • Natürlich nicht. Abschiebungen sind menschenunwürdig. Jede* sollte dort leben sollen, wo sie möchte. 

SDS*

  • Nein! Wer bleiben will, muss bleiben dürfen. „Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustande kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber der Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.“  (Bertolt Brecht „Flüchtlingsgespräche“, 1940/41).

Liste Links

  • Nein. Niemand soll abgeschoben oder genötigt werden, das Land zu verlassen; das „Ausländerrecht“ muss entsprechend geändert und dazu noch das Asylrecht vollständig wiederhergestellt werden. Alle sollten so lange studieren und bleiben können, wie sie wollen oder es für nötig halten. 

Harte Zeiten 

  • Nein. Keine:r darf Abgeschoben werden. Die Regelung übt Konformitätsdruck aus, der gegen das kritische Studieren gerichtet ist. Studierende sollen brav Credit-Points sammeln, statt sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen. Hochschulpolitisches Engagement wird dadurch eingeschränkt.

3b. Die Geschichte der Universität Hamburg ist widersprüchlich: Einerseits die demokratische Gründung im Zuge der Novemberrevolution 1919, andererseits die Vergangenheit als Kolonialinstitut sowie die Periode des Faschismus.

  • Wie versteht Ihr die Aufarbeitung der Kolonialismusgeschichte und der Verfolgung der jüdischen Menschen und antifaschistischen Widerständler*innen auf dem Campus in der NS-Zeit?
  • Welche Schlussfolgerung zieht Ihr daraus für eine demokratische Universität heute?

AL – Antiautoritäre Linke

  • Das ist eine sehr große Frage, die einen riesigen Themenkomplex anschneidet. Fest steht, dass die Uni Hamburg viel zu wenig Bewusstsein für ihre eigene Geschichte hat und auch aus der Studierendenschaft zu wenige Impulse kommen, um das zu verändern; oftmals werden der Faschismus und die schändliche Vergangenheit der UHH zu hochschulpolitischen Zwecken missbraucht. Im Übrigen ist die Gründung der UHH nicht unbedingt eine Folge der Novemberrevolution, aber um das zu diskutieren, ist hier kein Platz. 😉

Campus UKE

  • Wir halten die Aufarbeitung der universitären Vergangenheit für äußerst wichtig, sehen die fachliche Kompetenz hierfür aber an anderer Stelle.
  • Die Universität sollte aus dunkleren Kapiteln der Geschichte lernen und an die Geschichte der Universität erinnern. Z.B. wäre es wünschenswert, eine Vorlesungsreihe „Geschichte der Universität Hamburg“ in der OE für alle Studierenden einzuführen. Dort könnte auf schlechte sowie gute Zeiten in der Geschichte der Universität hingewiesen werden und die Bindung der Studierenden zur Universität würde gestärkt.

CampusGrün

  • Die Aufarbeitung der UHH-Geschichte ist unzureichend und tritt im universitären Alltag nicht präsent in Erscheinung. Dies ist führte bspw. bis in die 90er dazu, dass das Fach „Rassenkunde“ gelehrt wurde, und auch heute wird sich zu wenig damit auseinandergesetzt, wie Wissenschaften das unterdrückende und rassistische System noch immer aktiv stützen. Um dies zu verhindern, müssen sich mehr kritische Seminare bilden, um die widersprüchliche Geschichte der UHH entsprechend aufzuarbeiten und Ableitungen aus ihr zu ziehen. 

SDS*

  • „Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert Und handelt, statt zu reden noch und noch. So was hätt einmal fast die Welt regiert! Die Völker wurden seiner Herr, jedoch Daß keiner uns zu früh da triumphiert – Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (Bertolt Brecht, „Der Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, Epilog, 29.4.1941) Die Aufarbeitung der widersprüchlichen Geschichte der Uni Hamburg ist für unser heutiges Engagement zentral. Welche kulturellen und strukturellen Bedingungen ließen die Wissenschaft für koloniales und faschistisches Herrschaftsinteresse einspannen? Was davon ist heute „fruchtbar noch“? Und auf der anderen Seite: welche Haltung ließ die Widerstandskämpfer*innen der Weißen Rose dem faschistischen Druck widerstehen? Welche Quellen hatte ihre Hoffnung auf den Sieg der Menschlichkeit über die Barbarei? Wie können wir diesen Humanismus heute lebendig machen und menschenfreundliche Strukturen und Kulturen an der Hochschule etablieren? Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit einem Bildungsbegriff, der Universitäten in Gegnerschaft zu (neo)kolonialer, imperialistischer und damit ausbeuterischer Praxis stellt, wie sie im Gründungsgeist eines proletarischen gesellschaftlichen Umbruchs 1919 bis heute erforderlich ist. Die demokratische Universität ist erkämpfte Konsequenz der 68er, die die uneingelösten Konsequenzen aus der Befreiung von Faschismus und Kolonialismus zu verwirklichen suchten. Es gilt, daran anzuknüpfen und die Demokratie (statt Gehorsam) zu stärken, das Mitbestimmungsrecht der Studierenden auszubauen, und bedeutet, entgegen der Interessen des Kapitals, zur menschlichen Weiterentwicklung beizutragen, soziale Öffnung der Hochschule statt Elitarismus, die Würde des Menschen realisierende Wissenschaft statt pseudo-neutrales Wissen für die Herrschenden zu produzieren. Dies ergibt sich auch konkret aus dem Auseinandersetzen mit Vergangenem, als tätiges Erinnern, z.B. mit der Beteiligung an Lesungen aus verbrannten Büchern, dem Verwirklichen einer Feier zum Tag der Befreiung am 8. Mai oder der Arbeit in einem studentischen Ausschuss gegen Rechts. Dazu gehört aber auch die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UN sowie enge internationale Zusammenarbeit, zur Lösung und Bearbeitung gesamtgesellschaftlicher Krisen und Probleme.

Liste Links

  • Es geht darum, sich der historischen Dimension des Konflikts um die Ausrichtung von Bildung und Wissenschaft und der damit verbundenen gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Aus der Geschichte der Ausbeutung und Unterdrückung muss heute eine Geschichte der Solidarität und der kritischen Wissenschaft werden. 
  • Die Universität muss umfänglich öffentlich finanziert werden, damit der wesentliche Gegenstand von Wissenschaft und Forschung das Allgemeinwohl ist. Sie muss sozial offen und demokratisch verfasst sein, damit ihre Mitglieder diesen Maßstab wirklich zur Geltung bringen können.

Harte Zeiten

  • Wissenschaft hat gesellschaftliche Verantwortung. Dazu gehört die Aneignung und Wahrnehmung der historisch gebildeten Erkenntnisse. Gegen die historischen Verbrechen, die teilweise bis in die Gegenwart wirken, müssen ambitioniert die Ansprüche für eine menschliche Welt, die nach 45‘ erst 1968 teilweise, aber bis heute nicht vollständig praktisch realisiert wurden, von uns neu gebildet und durchgesetzt werden. 
  • Die Menschenrechte als Ensemble müssen international solidarisch realisiert werden. Die Universität muss produktiver Bestandteil zur Lösung der internationalen Probleme sein und mit gesteigertem Engagement ihre Orientierung an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen umsetzen.

3c. Als Ziele der Universitätsentwicklung ist im Leitbild der Universität Hamburg “Internationalisierung von Bildung und Wissenschaft für eine friedliche und menschenwürdige Welt” formuliert.

  • Ist es aus Eurer Sicht Aufgabe der Hochschulpolitik, sich für Frieden und Völkerverständigung zu engagieren?

AL – Antiautoritäre Linke

  • Im Großen und Ganzen ist es auch Aufgabe der Hochschulpolitik, diese Dinge in ihrer alltäglichen Praxis zu verinnerlichen. Das ist für uns keine Frage. Leider sind uns oft im hochschulpolitischen Kontext Grenzen gesetzt.

Campus UKE

  • Es sollte die Pflicht einer Hochschule sein, eine Basis für internationalen Austausch zu schaffen. Dies fördert unserer Ansicht nach die Verständigung unterschiedlicher Kulturen und führt dadurch zu einem friedlicheren Miteinander.

CampusGrün

  • Die Hochschule muss sich für die freie Möglichkeit zur internationalen Verständigung aller Studierenden und Wissenschaftler*innen einsetzen. Diese sollte zum Ziel haben, selbstorganisierte Projekte zur Abschaffung jeglicher Form globaler Unterdrückung und Ungleichheiten zu fördern.

SDS*

  • „Ich verstehe unter Wissenschaft das Bemühen einer Mehrzahl von Menschen, durch eine umfassende Rationalisierung der natürlichen und gesellschaftlichen Welt und ihrer Zusammenhange ein Überleben der Menschheit nicht nur zu garantieren in einem schlechten [instrumentellen] Sinne, sondern auch bezogen auf die Perspektive der Verwirklichung von anspruchsloser Gerechtigkeit, gewaltloser Freiheit und unbedingtem Frieden.“ Peter Fischer-Appelt, 1. Präsident der Uni Hamburg, beim 1. Uni-Präsidentschaftskandidaten-Hearing im Audimax am 1. Dezember 1969 Wissenschaft in diesem Sinne – als gestaltender Teil der Gesellschaft, mit Frieden, sozialer Gerechtigkeit und einem menschenwürdigen Leben für Alle als leitende Perspektive – zu verwirklichen, ist wesentliche Aufgabe der Hochschulpolitik und der Aktiven in studentischer und akademischer Selbstverwaltung. Wir streiten auf dieser humanistischen Grundlage für geschichtsbewusste, zivilisierende und international kooperative Wissenschaft, im Konflikt mit denjenigen Kräften für welche Wissenschaft primär den Drittmittelgebern, der Rüstungsindustrie und dem Profitstreben dienlich sein soll. Konkret streiten wir für eine Zivilklausel in Hochschulen und auch im Hafen, für Wissenschaft und Handel zu rein zivilen Zwecken. Für eine Welt des Friedens und der Freiheit – weil der Mensch ein Mensch ist…   

Liste Links

  • Ja! Denn: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Harte Zeiten

  • Ja. Für die Schaffung einer friedlichen Welt sind Kunst, Kultur und Wissenschaft essenziell. Bildung und Aufklärung sind immer auch grenzüberschreitende, verbindende Begegnung. Die Universität muss sich an der Schaffung einer sozialen Perspektive und der Lösung internationaler Probleme initiativ beteiligen. Eine Zivilklausel (für rein auf friedliche Zwecke orientierte Forschung und Lehre) und ein wissenschaftlicher Diskurs, der die Herausforderungen international gerechter Lebensverhältnisse immer wieder aufgreift, sind für alle Fakultäten anzustreben. 

Update 11.01.2021.