Für Völkerverständigung und kulturelle Entfaltung

19. Dezember ’22 um 18 Uhr, Anna-Siemsen-Hörsaal (VMP 8)

„Aufgrund meiner Überzeugung, dass die Zeit kommen wird, in der das Staunen über den Fall der Berliner Mauer auch wieder vorbei sein wird, hoffe ich, dass die Welt sich erholen und wieder gegen die Diktatur des Marktes wenden wird […] Die Freiheit des Handels darf nicht über der Freiheit der Menschen stehen.“
Paulo Freire, Pädagogik der Autonomie (1996)

Frieden, globale Gerechtigkeit und die Entwicklung souveräner, mündiger Bevölkerungen in der ganzen Welt gegen das Wiederaufflammen einer konfrontativen deutschen Außenpolitik und ausbeuterische Freihandelsabkommen durchzusetzen, ist unsere Aufgabe. Wie schaffen wir Kultur- und Bildungseinrichtungen, die auf Emanzipation statt auf Anpassung gerichtet sind und die länderübergreifend egalitär zu diesem Ziel zusammenarbeiten? Was können wir – auch in Deutschland, dem „Herzen der Bestie“ – im gemeinsamen Kampf um gerechte Arbeitsbedingungen und ausgewogene Handelsbeziehungen von den sozialen Bewegungen Brasiliens lernen?

Vor dem Ersten Weltkrieg waren etwa 90 % des Globus von den industriellen Zentren in Europa beherrscht. Zunehmend angewiesen auf Ressourcen wurden Russland, Amerika, Afrika, Ozeanien, einem Großteil Asiens (mit teilweisen Ausnahmen in Japan und China), aber auch anderen Ländern Europas ungleicher Handel aufgezwungen. Seitdem begann diese „westliche“ Vormacht zu schrumpfen: zunächst mit der Russischen Revolution von 1917 und der Entstehung des Sowjetblocks, dann ab Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Entkolonialisierungsbewegungen. Die Beendigung des weltumspannenden von Deutschland begonnenen Vernichtungs- und Eroberungskriegs am 8. Mai 1945 errang gegen die tiefste Barbarei der Reaktion eine neue Stufe internationaler progressiver Kooperation. Dagegen wandte sich die Aufkündigung des systemübergreifenden antifaschistischen Bündnisses und die antisozialistische „Eindämmungspolitik“ der USA (Truman-Doktrin 1947).

Doch in den antikolonialen Kämpfen und der Friedensbewegung wuchs das weltweite Streben nach Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Heute ist der Niedergang der imperialistischen Länder nicht mehr aufzuhalten und die auf der Vormacht der Wenigen basierende Weltordnung in einer Krise. Dreißig Jahre NATO-Expansion in Osteuropa, zwanzig Jahre Austeritätspolitik und zwei Jahre sozialer Isolation und gesteigerter Eigenverantwortung im Zuge der Corona-Pandemie kulminieren in planloser Roheit: Die Gefahr eines Atomkriegs und die höchsten Inflationsraten seit den 1980er Jahren stehen im Widerspruch zur Illusion einer prosperierenden Zukunft innerhalb der auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaftsform. Dieser Widerspruch drängt nach einer radikalen Wende: „Wir alle müssen eine bessere Gesellschaft aufbauen, eine Gesellschaft mit mehr Solidarität, mehr menschlicher Wärme, wo die Intensität des Lebens vor Süchten und neuen Formen der Sklaverei bewahrt.“, so Gustavo Petro vor der UN-Generalversammlung. Demokratische Gestaltung bleibt die Alternative.

Der Aufstieg des BRICS-Bündnisses (das mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika 41% der Weltbevölkerung umfasst) in den letzten 13 Jahren als neue Option für eine multipolare Weltordnung, Kubas Kampf gegen die Pandemie in verstärkter internationaler Solidarität, die neue Welle progressiver Regierungen in Lateinamerika (zuletzt in Kolumbien, dem einzigen NATO-Partnerland der Region) sowie die Aussicht auf den demokratischen Wiederaufbau durch ein progressives Bündnis in Brasilien verweisen auf eine egalitäre Alternative zur Dekadenz der hierarchischen Globalisierung. Diese Alternative wollen wir mit Dr. Antônio Inácio Andrioli (ehemaliger Vizepräsident der Universität Federal da Fronteira Sul, Chapecó) und Bruno Mahiques (Mitglied von JUNTOS in der Studierendenvertretung der Universität São Paulo) entwickeln.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der AG Antifaschismus an der Uni Hamburg und DCA libre DA USP. Unterstützt von der GEW Hamburg, dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche, der Fraktion der Linken im EU-Pralament und dem Verein der Bundestagsfraktion von Die LINKE.

++++++ Leia a postagem em português: https://risunihamburg.com/2022/12/08/evento-em-19-de-dezembro-de-2022-libertacao-ao-inves-de-liberdade/ +++++++