Tätigkeitsbereicht des Referats für internationale Studierende (RIS) für den Zeitraum von Juni 2025 bis Mai 2026

Editorial

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen!

Das „Referat für internationale Studierende“ (RIS) ist ein Teil des „Allgemeinen StudierendenAusschusses“ (AStA). Im RIS sind Studierende ohne deutschen Pass oder mit Migrationsgeschichte organisiert, um unsere gemeinsamen Interessen zu vertreten.

Bildung und Wissenschaft sind für Befreiung wesentlich. Aber dafür muss Bildung ein kooperativer, erfreulicher Lernprozess sein, ohne Diskriminierung und Angst. Wissenschaft muss ihrer globalen sozialen Verantwortung entsprechen. Und die Universität sollte von der Zulassung, über das Lernen von Sprachen (Deutsch als Fremdsprache!) bis zur Alltagskultur offener und internationalistischer sein. Die Welt ist größer und das Leben ist reicher als „Campus & Karriere“.

Die extreme Ungleichheit weltweit – die Vorherrschaft der Multimilliardäre – verursacht überall eine unerträgliche Zunahme der Gewalt. Menschliche Gleichheit zu erstreben heißt, die Gegnerschaft aufzunehmen. Eine Erneuerung studentischer Bewegung für die Überwindung aller Gewalt – der strukturellen, ökonomischen, alltäglichen Gewalt ebenso wie der Kriege – ist unser Anliegen.

Die UN-Charta und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sind als systemübergreifende Programmatik für eine menschenwürdige Welt von den Völkern, die sich vom Krieg, Imperialismus und Faschismus befreien wollten, erkämpft. Es sind Errungenschaften, die heute von den Herrschenden weltweit mit Füßen getreten werden – die die Unterdrückten aber dringlich einfordern und, neu, erkämpfen!

Wir verstehen unsere Tätigkeit als Teil dieser internationalen Bewegung. Menschen aus nahezu der ganzen Welt studieren und lehren an unserer Uni. Das ist ein Schatz an Perspektiven, Erfahrungen und Begegnungen, der alle bereichern kann. Unangepasst, mutig und solidarisch zusammen aktiv sein – das ist eine Lebensenergie, die ansteckt.

Das RIS-Team wurde im Juni 2025 gewählt. Wir sorgen für Informationen und Veranstaltungen, Vernetzung studentischer Bewegungen, starten kulturellen Interventionen, organisieren Kongresse und beraten Studierende. In diesem Bericht kann man einiges nachlesen, was wir in den letzten zwölf Monaten getan haben und fortsetzen möchten. Lest, diskutiert und beteiligt Euch!

Camilo, Farnaz, Golnar, Ira, Jhino, Lucas, Mona, Olesya und Soli

People Make The World Go Round – Mehr Geld für Bildung – nicht für Kriege!

Bildung, Forschung Wissenschaft sind: Entwicklung der Menschheit. Wir können uns dadurch gemeinsam die Welt aneignen; wir können die Umwelt erhalten, die Arbeit würdig verändern, die Lebensverhältnisse besser gestalten, die Kultur(en) kennenlernen und lebendig machen und Geschichtsbewusstsein und Engagement für die Befreiung aller wecken. Bildung ist ein Menschenrecht!

Deshalb kämpfen wir für ein „BAföG für Alle“! Wir sind aktiv in der bundesweiten Kampagne und haben uns – gemeinsam mit dem Bundesverband Ausländischer Studierender (BAS) – am Kongress der Kampagne beteiligt. Die Finanzierung der Bildung muss endlich unabhängig von Herkunft, Alter, Eltern und Studiendauer sein. Es muss mindestens 1.200 Euro betragen und an die Inflation stetig angepasst werden. Das ist auch und gerade für die internationalen Studierenden die Alternative zu permanenter Angst. Denn wir müssen für einen Aufenthaltstitel jedes Jahr 12.000 Euro nachweisen (äqv. zum BAföG Höchstsatz) und erhalten in der Regel keine Förderung hier.

Wir initiieren und beteiligen uns an Bewegungen für eine gute öffentliche Finanzierung von Bildung und Wissenschaft. Aktuell rufen wir mit vielen anderen zur hamburgweiten Demonstration am 11. Juni „Wissen schafft Zukunft“ auf. Geld ist genug da: Seit 2022 steigen die Ausgaben für Militär in Deutschland rapide – über 100 Mrd. Das ist ein Vielfaches der Bundesausgaben für Bildung, Forschung und Lehre, Gesundheit, Kultur, Entwicklung und Umweltschutz.
Allein unserer Uni fehlen 30 Millionen Euro gemessen. Auch für Wohnheime, Mensen und das Semesterticket müsste der Staat viel mehr Geld ausgeben. Stattdessen hat die Stadt 18 Millionen Euro für Olympia-Werbung ausgegeben und will bis zu 500 Millionen Euro in den Prestige-Bau „Elbtower“ stecken. Schluss mit dem Unfug! Lernen ist Leben!

Mensch, Du hast Recht(e)!

Diskriminierung internationaler Studierender ist Teil der rassistischen Staatspraxis. Aber wir haben auch erkämpfte Rechte, die wir gemeinsam immer wieder einfordern und ausbauen müssen! Dieser Widerspruch ist täglich Gegenstand unserer Arbeit: Schikanen der Botschaften und Ausländerbehörden, unsinnige Forderungen der Krankenkassen, Ignoranz der Uni-Zulassungsstellen und permanent Diskriminierungen im Alltag. Der globale Wirtschaftskrieg führt zu Inflation, die Sanktionen – insbesondere bei Studierenden aus Russland und Iran – zu Schwierigkeiten bei Kontoeröffnungen, bei Geldtransfers und sogar beim Besuch von Sprachschulen.

Wir beraten, besprechen und unterstützen. Und wir vernetzen uns im Hamburger Arbeitskreis internationale Studierende mit Menschen, die in allen Hochschulen, beim Studierendenwerk, bei der Diakonie oder Vereinen versuchen, die Bedingungen zu verbessern. Wir machen gemeinsam Druck auf die Behörden in Hamburg: für schnelle Bearbeitungszeiten und eine respektvolle Kultur, für Erleichterungen beim „Finanzierungsnachweis“, gegen die Kürzungen bei Sprachkursen…

Der Erfahrungsaustausch ist wichtig: Es gibt für fast jedes Problem eine Lösung – aber niemals allein. Mensch, Du hast Rechte! Du findest Freunde! Wenn Ihr dies lest und aus der EU kommt: Fragt mal Eure „internationalen“ Kommiliton:innen, was es für sie bedeutet, hier zu studieren und welche Steine sie in den Weg gelegt bekommen – der Kampf für gleiche Rechte ist ein gemeinsamer Kampf!

Befreit die beiden Amerikas: Für eine „Unidad Popular“ von Alaska bis Patagonien!

Mit der nationalen Sicherheitsstrategie 2025 haben die USA unter Trump erneut den Süden Amerikas zu ihrem „Hinterhof“ erklärt. Die fortgesetzte Einflussnahme auf die südamerikanischen Regierungen, die Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro und die menschenverachtende Blockade gegen Kuba sind Ausdruck der Furcht der Herrschenden: Wenn das Beispiel des „Chilenischen Wegs zum Sozialismus“, der von 1970 bis 1973 gegangen wurde, Schule macht – dann kann jedes Land im Einklang mit den Zielen der Vereinten Nationen seine Zukunft souverän und menschenwürdig gestalten – jedes Land des sogenannten „Südens“, des „Nordens“ und auch die USA. Emanzipation ist überall nötig.

Am 11. September, am Jahrestag des CIA-Putsches von 1973 gegen die demokratische Regierung des Sozialisten Salvador Allende, erinnern wir mit Musik, Reden, Performances und Diskussionen für die Fortsetzung und Erweiterung internationaler Solidarität. Die studentische Solidarität an unserer Uni mit der „Unidad Popular“ war nach dem Putsch ein wichtiger Aspekt der Entwicklung der lateinamerikanischen Linken, die heute – Stück für Stück, Land für Land – Fortschritte für die Bevölkerungen Südamerikas erkämpft. Seit 1983 heißt der Platz vor dem Abaton Kino „Allende-Platz“, um täglich dazu zu ermuntern, sich zu erinnern und zu beteiligen.

Anlass gibt es genug: Der völkerrechtswidrige Überfall der USA auf Venezuela im Januar und die Bedrohung Kubas machen eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Solidaritäts- und Friedensbewegung erforderlich. Wir haben zu einem bundesweiten Aktionstag am 14. Februar „Für die Verwirklichung der UN-Charta und das Selbstbestimmungsrecht der Völker – Gegen den Staatsterrorismus der USA“ aufgerufen. In Mai haben wir einen Aktionstag zur Solidarität mit Kuba und der kubanischen Studierendenföderation auf dem Campus durchgeführt.

Im Juni folgt in Kooperation mit „Voz Latina“ eine Veranstaltung mit dem Dichter und Aktivitsen Darió Iza Pilaquinga über Kampf für die Rechte der Natur als Teil der indigenen Bewegungen für Souveränität und Menschenrechte am Beispiel Equadors.

Menschenrecht statt Staatsräson! – Solidarität mit Palästina

Unter dem Motto „Israel, Palästina und Deutschland – Zwischen Menschenrechten und ‚Staatsräson‘“fand mit unserer Unterstützung von Oktober 2025 bis Januar 2026 eine öffentliche Ringvorlesung an unserer Uni statt. Wir haben sie mit konzipiert und organisiert.

Vor jeweils 150-300 Teilnehmer:innen stellten Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen aus Deutschland, Palästina, Israel und Großbritannien ihre Erkenntnisse und Positionen zur Diskussion.

Mit der Veranstaltung wurde gegen den fortgesetzten Genozid in Gaza ein Raum für kritische und friedensorientierte Perspektiven auf die Hintergründe der Kriegs- und Besatzungspolitik in Palästina sowie deren Geschichte geöffnet. Die Debatte konnte, in kritischer Auseinandersetzung mit der außerrechtlichen bundesdeutschen „Staatsräson“, im Sinne des Völkerrechts und der Verantwortung von Zivilgesellschaft und Wissenschaft für politische Konfliktlösung, Gerechtigkeit und Frieden geweitet werden.

Angesichts der anhaltenden mörderischen Vertreibung von Palästinenser:innen, der Missachtung ihrer Souveränität und der fortgesetzten Komplizenschaft der Bundesregierung ist es dringend nötig, gemeinsam mit Mitstreiter:innen auf der ganzen Welt, den Druck zu erhöhen, um dem Völkerrecht gegen alle Ideologien der Ungleichwertigkeit der Menschen Geltung zu verschaffen. Die Vorträge in der Ringvorlesung stellen eine Bereicherung für die argumentative Auseinandersetzung auf Höhe der Zeit dar und sind zur Ansicht empfohlen:

https://lecture2go.uni-hamburg.de/l2go/-/get/v/72236

Für Freiheit, Gleichheit, Solidarität – im Iran und überall!

Intensiv haben wir uns mit der Lage im Iran und der Studierendenbewegung dort auseinandergesetzt. Auf unserer Homepage findet man ein Dossier und zahlreiche Stellungnahmen aus dem Iran (risunihamburg.com). Studierende sind mutig im Widerstand gegen die iranische Regierung – gemeinsam mit Gewerkschaften, Frauen- und Menschenrechtsorganisationen, Sozialverbänden und Organisationen verschiedener Bevölkerungsgruppen. Sie sind bei der Repression der Proteste im Januar Opfer extremer staatlicher Gewalt geworden und in diesen Tagen, trotz Krieg und staatlicher Brutalität wieder auf den Straßen: in Solidarität mit verhafteten, gefolterten und gemordeten Kommiliton:innen und zugleich im Kampf für bessere Zulassungs-/Studienbedingungen. Viele universitäre Einrichtungen sind beim Angriff der USA und Israels zerstört worden. Wie in Palästina sind auch im Iran Bildungsstätten ein erstes Ziel der Bomben. Sie trafen unter anderem die „Sharif Universität“ in Teheran, eine Stätte zahlreicher studentischer Manifestationen für Demokratie und Menschenrechte vor Kriegsbeginn.

Wir positionieren uns solidarisch mit der fortschrittlichen Opposition (keine Monarchisten) gegen die korrupte, neoliberale, militaristische iranische Regierung und zugleich gegen den völkerrechtswidrigen, machthungrigen und menschenverachtenden Krieg der USA und Israels sowie gegen alle Versuche eines Regime Change von außen. Wir laden ein, mit uns die Bedingungen und Möglichkeiten praktischer, ziviler Solidarität mit der iranischen Bevölkerung sowie einer friedlichen Perspektive für Westasien zu diskutieren und bereiten dazu Veranstaltungen vor.

Antifaschismus – 8. Mai: Tag der Befreiung

Der 8. Mai ist der Tag der Kapitulation der faschistischen Wehrmacht 1945 in Berlin.

Seit 2020 organisieren wir mit anderen antifaschistischen Aktiven aus Schulen und Hochschulen, Gewerkschaften, Parteien und ihren Jugenden, aus Kunst- und Kultureinrichtungen, aus Friedensbewegung und migrantischen Organisationen ein Fest zum 8. Mai, um den Tag zum offiziellen Feiertag zu machen. In Hamburg ist er deshalb seit 2025 ein Gedenktag. Es geht darum, die „unvollendeten Tatsachen“ aus der Befreiung vom Faschismus zu vollenden: Gewaltfreiheit, Menschenrechte, internationale Kooperation statt Konkurrenz und ein sozialer, demokratischer Rechtsstaat im Einklang mit dem Grundgesetz. Wir feierten mit einer eintägigen Festkundgebung am Jungfernstieg unter dem Motto „Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“. Die Beteiligung war diesmal erfreulich international – Vertreter aus USA, Kuba, Russland, China wirkten mit. Wir brachten eine szenische Lesung zur „Rolle Chinas im weltweiten antifaschistischen Kampf 1931 bis 1949“ mit großem Ernst heiter auf die Bühne.

Der Text ist auf unserer Homepage zu finden und alle Beiträge sind hier nachzulesen, zu hören und zu sehen: https://8mai-hamburg.de/8-mai-2026/







Vollversammlung zur Vorbereitung der Wahl
am Donnerstag, den 4. Juni 2026 um 18 Uhr
in Raum 0029 im AStA-Trakt (Von-Melle-Park 5)



Dort wird vom letzten Jahr berichtet, zur Lage der internationalen Studierenden diskutiert, es stellen sich die kandidieren Listen vor und es wird eine Wahlkommission gewählt, die die Wahl leitet.

Wahl zum Referat für internationale Studierende (RIS)
Montag, den 08. Juni bis Mittwoch, den 10. Juni 26
jeweils von 11 bis 16 Uhr
am AStA-Info-Café (Von-Melle-Park 5).

Wahlberechtigt sind alle Studierenden der Universität Hamburg und des Studienkollegs, die „internationale Studierende“ sind oder einen Migrationshintergrund haben.
Zur Wahl müsst Ihr nur Eure STiNE-Bescheinigung vorzeigen.

Wahlordnung: https://www.stupa.uni-hamburg.de/dokumente/recht/09-wo-ris.pdf